IT-Projekte

Theme IT Projekte Typischerweise ist heute jeder Arbeitsplatz mit IT ausgestattet. Nur in Ausnahmefällen arbeiten Unternehmen heute ohne IT-Systeme. IT-Systeme bestehen aus Hardware, Software und sind Bestandteil von Geschäftsprozessen. Diese Systeme sind vielseitig, anpassungsfähig und reichen vom Geldbezug an einem Bankomaten über die Entnahme von Gütern aus einem Lager. IT-Projekte als Projektart stellen somit eine umfangreiche Industrie dar.

Merkmale und Gliederung

IT-Projekte befassen sich mit der Entwicklung von Informations- und Kommunikationssystemen und zeichnen sich durch die folgenden Merkmale aus:

  • Die Kernaufgabe ist das Gestalten von Software; d.h. Neuentwicklung, Einsatz oder Anpassung.
  • Eine wesentliche Voraussetzung für das Projekt ist die Auswahl und Nutzung von Hardware.
  • Die Projektmitarbeiter sind überwiegend IT-Spezialisten.
  • Beim Projektergebnis bzw. Produkt handelt es sich um ein Anwendungssystem, das Geschäftsprozesse unterstützt.

IT-Projekte zeichnen sich nicht selten durch chronische Termin- und Kostenüberschreitungen aus. Die ursprünglichen Spezifikationen und Anforderungen decken sich selten mit den inhaltlichen Projektresultaten. Diese Aspekte sind darum von zentraler Wichtigkeit für ein IT-Projektvorhaben. Im Vergleich mit herkömmlichen Industrien sind der Organisationsgrad und die Standards in der Informatikbranche weniger ausgeprägt.

Eine Gliederung von IT-Projekte lässt sich in dreifacher Hinsicht vornehmen.

  1. Nach Art:
    • Entwicklungsprojekte (Strategie- oder Innovationsprojekte sowie Eigenentwicklungen)
    • Sanierungs-/Wartungsprojekte
    • Migrationsprojekte
    • Einführungsprojekte
    • Integrationsprojekte
  2. Nach Grösse:
    • Kleinprojekte
    • Mittelgrosse Projekte
    • Grossprojekte
  3. Nach Anwendungsgebiet
    • Enterprise Resource Planning-Projekte (ERP-Projekte)
    • E-Business-/Web-Projekte
    • Multimediaprojekte
    • Weitere

Das Volumen von IT-Projekten lässt sich anhand der folgenden Grössen bestimmen:

  • Projektziel (organisatorische Systemabgrenzung)
  • Zeit (d.h. Termine; zeitliche Begrenzung der Projektdurchführung)
  • Ressourcen (Budget, Personal, Betriebsmittel, etc.)

Diese drei Grössen stehen miteinander in Beziehung und bilden ein sogenanntes magisches Dreieck. Ändert sich eine Grösse, beeinflusst dies mindestens eine weitere.

Vorgehensmodelle / Verfahren und Methoden

Im Informatikbereich gibt es zahlreiche Vorgehensmodelle. Diese Vielfalt rührt daher, dass unterschiedliche Aufgabenstellungen für IT-Projekte unterschiedliche Vorgehensweisen benötigen. Ein konventionelles bzw. sequentielles Vorgehensmodell besteht aus hintereinander geschalteten Phasen wie etwa

  • Grobdefinition der Anforderungen
  • Spezifikationen des Moduls (oder mehrerer Module)
  • Programmierung
  • Test
  • Einführung

An deren Ende stehen jeweils ein Meilenstein sowie klar definierte Ergebnisse (Dokumente oder Software). Zwischen der Programmierungs- und der Testphase sind Schleifen im Projektverlauf charakteristisch für IT-Entwicklungsprojekte. Eine Weiterentwicklung des rein sequentiellen Vorgehensmodells stellt das Wasserfallmodell dar.

Grössere IT-Projekte mit mehrschichtigen Architekturen und Applikationen mit umfangreichen Funktionen werden oftmals nach Funktion gegliedert und in Etappen – etwa in einem iterativen Spiralmodell oder mit separaten Teilprojekten - realisiert. Im Falle von Teilprojekten laufen die zeitlichen Entwicklungsarbeiten simultan in parallelen ‚Schienen‘ d.h. inkrementell ab, die Phasen und Meilensteine müssen aber nicht notwendigerweise aufeinander abgestimmt sein.

Zu den konventionellen Vorgehensmodellen für die Entwicklung von Software zählen RUP (Rational Unified Process). Für die agile Entwicklung ist die Methode Scrum populär. Beide Modelle fokussieren darauf, die inhaltlichen Arbeiten zu strukturieren und zu steuern. Weniger zentral ist das übergeordnete Management eines Projekts. Eine weitere agile Methode stellt das Extreme Programming (XP) dar.

Für die verschiedenen Vorgehensmodelle existieren zahlreichen Software Tools, die sich unter dem Begriff CASE (Computer Aided Software Engineering) zusammenfassen lassen. Diese Arbeitswerkzeuge helfen beim Abwickeln der Prozesse, die ein Software-Entwicklungsprojekt durchläuft.

Besondere Relevanz in Informatikprojekten nehmen Methoden ein, um den Projektaufwand zu schätzen. Das hierfür bekannteste Verfahren ist die sogenannte Function Point Analysis (FPA). Dabei werden die funktionalen Anforderungen an eine Anwendung in kleinste, für den Anwender sinnvolle Aktivtäten zerlegt. Jedem Elementarprozess wird ein bestimmter Punktwert zugeordnet. Die Summe der Punktwerte aller Elementarprozesse ergibt schliesslich die Functional Size, durch die die Elementarprozesse gemessen bzw. bewertet werden können.

Konventionelles vs. agiles Vorgehen

Viele Projekte im Informatikbereich zeichnen sich durch eine Offenheit und ‚Weichheit‘ bezüglich verschiedener Faktoren aus. Dies birgt Risiken, da sie der Projektleitung bequeme Ausweich- und Rechtfertigungsmöglichkeiten geben. Zusätzlich erschweren sie eine objektive Diskussion für Optimierungsmöglichkeiten. Die Frage der Offenheit ist Gegenstand intensiv geführter Diskussionen. 

Von der einen Seite wird ein detaillierter, möglichst frühzeitig einzufrierender Anforderungskatalog gefordert, der einem konventionellen Vorgehen im Projekt entspricht. Auf der anderen Seite wird ein evolutionäres, iteratives Nebeneinander von Anforderungsdefinition und Lösungsentwicklung favorisiert. Diese Seite argumentiert, dass erst sichtbare Resultate es dem Benutzer ermöglichen, seine Bedürfnisse ausreichend und präzise zu formulieren. Die Ergebnisse machen das Produkt für den Benutzer greifbar und ermöglichen neue Einsichten und damit aus seiner Sicht auch eine Optimierung des Produkts. Agiles Projektmanagement greift dieses Verständnis auf und überträgt es auf das Management entsprechender Projektvorhaben. Obwohl so die Gefahr besteht, dass IT-Projekte hinsichtlich Zeit und Kosten aus dem Ruder laufen, können solche Abweichungen durch die anfängliche Unschärfe des zu entwickelnden Produkts gar nicht präzise gemessen werden. Die grosse Flexibilität in Bezug auf das Vorgehen wird grundsätzlich hochgehalten. Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass diese Flexibilität nicht benutzt wird, um Verbindlichkeiten zu entkommen. Denn diese gibt es auch in IT-Projekten. Zudem muss die Definition der Anforderungen im Verlauf des Projekts seriös und systematisch erfolgen. Insgesamt ist von Seite der Entwickler genau zu überlegen, welche Funktionen ein offenes Vorgehen erlauben und in welchen Bereichen – für Entwickler und Benutzer – gleich zu Beginn Klarheit und Verbindlichkeit notwendig sind.

Organisation

Grundsätzlich ist bei IT-Projekten darauf zu achten, dass die Benutzerseite im Projekt ausreichend vertreten ist. Entweder können die Benutzer via Workshops einbezogen werden oder ausgewählte Benutzer sind Teil des Projektteams. Dies ist je nach Projekt passend zu entscheiden. Nebst Projektteam ist die Benutzerseite auch für die Zusammensetzung des Projektausschusses relevant. Insgesamt ist es sehr wichtig für den Projekterfolg, dass die Akzeptanz von der Benutzerseite aus objektiven und sachlichen Gründen stets gegeben ist.

Für Informatikprojekte ist eine zweckmässig gestaltete Projektorganisation ein Erfolgsfaktor. Dabei ist zu beachten, dass die Projektleitung die Sicht der Anwender vertritt. Denn nimmt eine sehr technik-affine Person der Informatikabteilung die Rolle der Projektleitung wahr, entspricht diese Person nicht unbedingt dem späteren Benutzer des Projektprodukts. Die Projektplanung und -führung ist nicht vollständig vom Projektleiter abzudecken; er kann von Teilprojektleitern entlastet werden. Auch die Teilprojekte sind in die Hände eines Vertreters der Benutzer zu legen.

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